Optionen vs Optionsschein

Ist der Unterschied nur ein Schein?

Die Bezeichnungen Option oder Optionsschein werden oft synonym benutzt und bezeichnen im Kern erst einmal ein Warentermingeschäft, nämlich den Bezug oder den Verkauf einer bestimmten Ware in einem definiertem Zeitraum zu einem bereits festgelegten Preis. Die Bezeichnung Warrant ist nur der englische Ausdruck für Optionsschein. Wir unterscheiden also Optionsschein (Warrant) und Option. Wenn Sie einen Optionsschein oder eine Option kaufen möchten, müssen Sie als erstes jemanden finden, der Ihnen diese Papiere verkaufen kann. Das ist in der Regel der Emittent oder Stillhalter, und da kommen wir schon zum ersten großen Unterschied.

Optionsscheine können Bestandteile einer Optionsanleihe sein, sogenannte traditionelle Optionsscheine die von Unternehmen auf eigene Aktien ausgegeben werden. Solche Optionsscheine stehen meistens im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung des Unternehmens und werden mit einer Laufzeit bis zu 10 Jahren ausgegeben.
Daneben gibt es die “nackten Optionsscheine“, die in der Regel von Banken oder Finanzinstituten ausgegeben werden und nicht zu einer Kapitalerhöhung bei den Unternehmen führen, sondern als reines Handelsobjekt aufgelegt werden. Diese Optionsscheine haben in der Regel Laufzeiten bis zu 2 Jahren.
Eine Spezialform der nackten Optionsscheine ist der sogenannte gedeckte Optionsschein im englischen auch Covered Warrant genannt, bei denen der Emittent über die Ware oder die Aktie zu der der Optionsschein ausgegeben wurde auch tatsächlich verfügt.
Welche Optionsscheinarten gibt es?

Wir haben also drei Sorten von Optionsscheinen die wir im weiteren Verlauf nur noch Optionsscheine nennen werden. Was diesen drei Varianten gemeinsam ist und was sehr wichtig ist – alle diese Optionsscheine können als verbrieftes Papier an den Aktienmärkten gehandelt werden. Das bedeutet, diese Papiere können an den Börsen mit einer WKN (Wertpapierkennnummer) von jedem gehandelt werden. Sie können also, genau wie bei Aktien, diese Wertpapiere zu einem beliebigen Zeitpunkt kaufen und auch wieder verkaufen.

Eine Option hingegen ist ein Wertpapier das nicht an den normalen Börsenplätzen gehandelt wird, sondern nur an Terminbörsen z.B. der Eurex in Europa oder der CBOT in den USA. Der große Unterschied ist, das Sie an der Terminbörse auch selber Optionen emittieren bzw. verkaufen können. Hierzu legt die Terminbörse an der Sie handeln, bestimmte Kriterien fest, nach denen sich Basispreise und andere Parameter berechnen. Sie können unter diesen Voraussetzungen selber als Emittent (auch Stillhalter genannt) mit Optionen handeln. Auch bei den Optionen gibt es wieder verschiedene Varianten.
Die europäische Option, der Käufer erwirbt mit Kauf der Option das Recht, aber nicht die Pflicht zum Ende der Laufzeit die Option auszuüben. Dagegen ist die amerikanische Option während der gesamten Laufzeit handelbar. Auch hier gilt, der Käufer hat das Recht aber nicht die Pflicht die Option auszuüben. Die Bermuda-Option ist eine Mischung aus europäischer und amerikanischer Option, bei der die Ausübung in einem oder mehreren festgelegten Zeiträumen oder Stichtagen während der Laufzeit ausgeübt werden kann. Der Name Bermuda-Option kommt übrigens tatsächlich daher, das die Bermudainseln zwischen Europa und Amerika liegen und die Option eine Mischung aus der amerikanischen und europäischen Variante ist.
Amerikanische-oder-Europaeische-Option

 

Wenn im Zusammenhang mit Optionen von Ausübung gesprochen wird, gibt es zwei Möglichkeiten.

Barausgleich – Bei einer Kursentwicklung zu Ungunsten des Stillhalters wird am Ausübungstag die Differenz zwischen aktuellem Kurswert und dem in der Option festgelegtem Preis in bar ausgeglichen (bar heißt in diesem Fall bargeldlos über Ihr Depotkonto). Beim umgekehrten Fall, einer Kursentwicklung zu Gunsten des Stillhalters wird die Ausübung der Option in der Praxis nie eintreten, da ja der Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht hat die Option auszuüben. Er wird also nicht die Option ausüben wenn der die Kursentwicklung zu seinen Ungunsten war sondern die Option einfach verfallen lassen. Dann ist der Kaufpreis der Option sein Verlust (in diesem Fall Totalverlust) und gleichzeitig der Gewinn des Stillhalters.
Zahlung und Lieferunggleiche Konstellation wie beim Barausgleich, nur wird in diesem Fall kein Ausgleich gezahlt, sondern das Handelsobjekt auf das sich die Option bezieht (eine Aktie, oder auch ein Rohstoff) wird physikalisch geliefert.
Es kann also sein, das wenn Sie eine Option auf Rohöl mit Zahlung und Lieferung gehandelt haben, ein paar Tage nach dem Ausübungstag mehrere Tankwagen vor Ihrer Türe stehen.

Um diesem Fall, und natürlich auch ungewollten finanziellen Verlusten vorzubeugen, benötigen Sie um mit Optionen und Optionsscheinen zu handeln die Termingeschäftsfähigkeit. Sie können nämlich beim Handel mit Optionen – im Gegensatz zum Aktienhandel – Geld verlieren, das Sie noch gar nicht eingesetzt haben.
Der Gesetzgeber verlangt von den Handelsparteien bei Termingeschäften diese Termingeschäftsfähigkeit. Ihre Bank bei der Sie Ihr Depot führen, wird sich von Ihnen per Unterschrift, die Aufklärung über die besonderen Verlustrisiken bei Termingeschäften bestätigen lässt. Meistens wird diese Bestätigung alle drei Jahre erneuert. Das ist natürlich nicht einmal annähernd ein Schutz gegen Verluste, sondern gibt Ihnen nur das Recht an Terminbörsen und mit Optionsscheinen zu handeln.