Aufpreis oder Zeitwert

Wer schon einmal die Kursentwicklung von Aktien, und die Kursentwicklung von Optionsscheinen auf diese Aktien im gleichen Zeitraum beobachtet hat, wird feststellen das der Kurs der Optionsscheine deutliche Veränderungen erfahren kann, während der Kurswert der Aktie nahezu unverändert geblieben ist. Wie kommt das? Der innere Wert hat sich so gut wie gar nicht geändert.
Der “Übeltäter” oder der “Held”, je nachdem wie Sie investiert sind ist der Zeitwert. Der Zeitwert setzt sich aus 4 Bestandteilen zusammen.

  • Volatilität
  • Laufzeit
  • Zins
  • Dividende

Von diesen Bestandteilen ist die Volatilität der umfangreichste und auch der Bestandteil mit der größten Auswirkung auf den Optionspreis. Deswegen wird die Volatilität in einen eigenem Beitrag behandelt.

Geld kostet Geld – eine alte Redensart der Bankenwelt. Diese “Geldkosten” werden in Optionsscheinen und Optionen mit eingerechnet. Geld das in Optionen investiert ist, kann logischerweise nicht anderweitig angelegt werden. Als Referenzwert dient hier immer eine Anlage mit risikolosem Zinssatz. Also eine Anlageform mit sehr geringen Risiko z.B. Staatsanleihen oder festverzinsliche Papiere. Dieser Zinssatz – bezogen auf die Laufzeit – wird in dem Preis der Optionsscheine mit eingerechnet. Der Einfluss der Zinsen auf den Optionspreis ist aber relativ gering.
Ebenso verhält es sich mit der Dividende. Ich habe Aktien eines Unternehmen in meinem Depot habe und verkaufe einen Call auf diese Aktien. Wenn während der Laufzeit der Option eine Dividendenausschüttung erfolgt, komme ich in den Genuss ebendieser Dividende. Dem Käufer der von mir verkauften Call Option steht natürlich keine Dividende zu, er besitzt zwar einen Call auf Aktie XY, aber zum Zeitpunkt der Dividendenausschüttung eben nicht die Aktien selber. Die Dividende wird also im Optionspreis mit eingerechnet. Im Falle eines Calls wird die Dividende allerdings abgezogen während Sie beim Put hinzugerechnet wird.

Genau wie bei dem inneren Wert, verhalten sich Put und Call auch hier gegenteilig.

  • Dividende steigt – Call fällt, Put steigt im Kurs
  • Dividende fällt – Call steigt, Put fällt im Kurs
  • Zinsen steigen – Call steigt, Put fällt im Kurs
  • Zinsen fallen – Call fällt, Put steigt im Kurs

 Wenn ich mir eine Option mit einer Laufzeit von sagen wir mal 2 Jahren ansehe wird eins schon sofort klar, niemand kann genau wissen, wie sich Zinsen und Dividende in den nächsten 2 Jahren entwickeln. Es werden also hier Werte aus der Vergangenheit oder aber aktuelle Schätzungen benutzt und im Optionspreis eingepreist. Wenn dann die tatsächlichen Daten vorliegen, wird automatisch eine Korrektur der Bewertung vorgenommen. Wenn Sie also in den Nachrichten hören, wie hoch die Dividende des Unternehmens XY (dem Basiswert Ihrer Option) in diesem Jahr tatsächlich ist, oder das die Zinsen angepasst werden, dann kann der Preis Ihrer Option einen Sprung machen – nach oben oder nach unten, abhängig von der Änderung und ob Ihre Option ein Call oder Put ist.

Den größten Einfluss auf den Optionspreis hat allerdings die Volatilität.
Warum das so ist, lesen Sie hier.